Donnerstag, 18. Januar 2018

Friederike kann mich mal



11 Jahre nach Kyrill beehrt uns Friederike.
Und ich kann da nur drüber lachen.
Anders, als Aron, unser Rüpelrüde, der heute nur zwei Tobe-Runden im Garten hatte und seine geliebten Wälder auch morgen aus Sicherheitsgründen noch nicht sehen wird.
Aber dafür geht es gleich über die Felder und morgen lasse ich ihn auch ein bisschen stromern, wenn ich von der Blutentnahme komme.

Der 18.01.2007 war ein Donnerstag. Genau wie jetzt, 11 Jahre danach.
Es war der Tag, an dem der Sturm Kyrill über NRW und Dland hinwegfegte.
Davon bekam ich nichts mit.
Es war der Tag, an dem ich wegen meines Plattenepithelkarzinoms operiert wurde. Auf dem OP-Tisch massig Blut ließ. Starb. Wiederbelebt wurde. Und seitdem ein anderes Leben führe.
Ich wusste vor der OP, dass meine Überlebenschancen nicht allzu groß waren. Ich wusste nach der OP, dass meine weitere Lebenserwartungen relativ gering angesetzt waren.
Mit den Worten eines Arztes (ein Jahr später): „Warum noch neue Zähne? Das lohnt sich bei Ihnen doch nicht!“

Es hat sich gelohnt. Und mein jetziger Kampf um erneut neue Zähne ist sauwichtig und im Endspurt. Und ich scheine auch da wieder zu gewinnen.
Ich habe vor elf Jahren eine heftige Strahlentherapie überstanden. Da waren die Schmerzen und die Verzweiflung oft so groß, dass der Suizid sich als guter Freund anbot.
Den ich aber nicht wollte, da ich viel bessere FreundInnen hatte, die mir den Arsch retteten.
Die Chefärztin machte mich auf die Risiken der Strahlentherapie aufmerksam:
„Wahrscheinlich bekommen Sie nach zwanzig Jahren als Spätfolge eine Krebserkrankung. Aber ohne die Bestrahlung bekommen Sie diese höchstwahrscheinlich schon nach einem Jahr. Und ich bin ehrlich: Eine zwanzigjährige Lebenserwartung ist bei Ihnen unwahrscheinlich.“

Ich habe jetzt elf Jahre den miesen fiesen Krebs überlebt. Statistisch wäre ich seit mindestens sechs Jahren nicht mehr dabei.
„So eine dicke Akte wie bei Ihnen haben wir selten…“
Zitat einer anderen Ärztin.

Ich lebe im Bonusprogramm. Bin der Extraball.
Als ich meiner geliebten Frau den Hochzeitsantrag machte sagte ich, dass ich keine Garantie geben könnte.
Sie hat das akzeptiert und ging das Risiko ein.
Und ich hätte nie gedacht, dass ich acht Jahre mit ihr leben dürfte.
Und jetzt denke ich nicht mehr an ein Ende.
Es kommt irgendwann.
Aber nicht jetzt.
Und da ich ja angeblich schon lange keine Zukunft mehr habe kann ich das JETZT noch mehr genießen und leben.

Mit 80%iger Wahrscheinlichkeit wäre ich seit mindestens 6 Jahren tot.
Aber mein Mittelfinger gegen den Krebs hebt sich immer noch.
Obwohl ich mich gesundheitlich leider nicht an die sinnvollen Lebensgewohnheiten halte: Ich rauche noch immer. Ich trinke Bier. Ich übernehme mich bei Renovierungsarbeiten körperlich.
Aber ich lebe.

Ich kann über Friederike nur lachen. Auch wenn ich das Chaos schon schlimm finde und mit jedem/jeder Mitleid habe, die durch den Sturm Stress bekamen.
Aron würde Friederike beißen, da habe ich vollstes Verständnis für.
Ich gestehe: Ich fand es sogar teilweise recht spannend.
N paar kaputte Ziegel vom Nachbarn, n bisschen Dreck im Garten, die Pumpen in den Kellerschächten leisteten Schwerstarbeit aber außer, dass sich der Efeu von der Hauswand verabschiedete, ist hier nichts passiert.

So richtig kommen Claudia und ich im Moment nicht zu unserer verdienten Ruhe.
Aber die ersten Schritte sind gemacht. Eine Woche Urlaub Anfang Juli (alleine! Nur wir zwei!), ein -demnächst zwei – Tage Tagespflege für Gisela, die demente Schwiegermutter. Es geht aufwärts.
Vielleicht machen wir im Frühsommer ne große Garten- und Grillfete.
Da freue ich mich drauf.
Und natürlich auf neue Zähne…

Kyrill hat mich nicht platt gemacht. Auch mein Plattenepithelkarzinom nicht.
Manchmal denke ich, ich bin unkaputtbar.
So werde ich auch nächste Woche das nervige Kontroll-CT überstehen und danach wieder ordentlich schlafen können.

Friederike ist vorbeigezogen.
Ein unangenehmer Gast.
Aber da kenne ich Schlimmeres…





Freitag, 12. Januar 2018

Langes BlaBla über Psychiatrische Pflege, Musik, Fußball und die GroKotz und so



Als ich vor ca. 25 Jahren meine Krankenpflegeausbildung beendete hatte ich zwei Ziele:
Ich wollte ein halbes Jahr die Arbeitslosigkeit pflegen und ich wollte danach in der Psychiatrie arbeiten.
Ein „normales“ Krankenhaus kam für mich nicht in Frage, da war ich mir sicher.
Ich hatte zu viel mitbekommen.

Beide Pläne scheiterten.
Das Arbeitsamt machte mir Stellenvorschläge, denen ich nachgehen musste, um die Kohle zu bekommen.
Obwohl ich meine Lustlosigkeit zeigte und mich nicht besonders um einen Arbeitsplatz bemühte wollte mich die Chefin der Diakonie in Wanne-Eickel haben:
„Ich habe mich mit Ihrer Schulleiterin in Verbindung gesetzt. Und die meinte, sie wären mit Sicherheit eine Bereicherung für unser Team.“
So ähnlich.
Und ich dann:
„Wir können es ja mal probieren. Aber nach einem Jahr werde ich wahrscheinlich wechseln und mich um einen Platz in der Psychiatriepflege bemühen…“.
Ich blieb zehn Jahre. Etablierte mich, machte Fortbildungen, hatte Spaß bei der Arbeit und bei der Ausbildung der SchülerInnen, wurde zum Spezialisten für Diabetes, Demenz und Wundversorgung. Bis der Krebs meine Arbeitskarriere beendete.
Psychiatrisch auffällige PatientInnen hatte ich in der ambulanten Pflege mehr als genug.
Und ja: Oft genug regte ich mich auf.

Jetzt sitze ich in Ottenstein fest, im tiefsten Münsterland.
Meine Frau und ich pflegen ihre Mutter, eine an Alzheimer erkrankte Frau, die im Laufe ihres Lebens mehrere Psychosen durchlaufen hat.
Und ich merke, dass ich wohl kein geduldiger Psychiatriepfleger gewesen wäre.
Schon damals haben die PflegerInnen in der Psychiatrie Distanz zu den PatientInnen aufgebaut. Psychisch auffällige Menschen können PflegerInnen aufsaugen.
In meinem Einsatz in der geschlossenen Psychiatrie musste ich lernen, dass ich die Probleme der PatientInnen nicht zu tief in mich eindringen lasse.
Sonst wäre ich selbst Patient geworden.
Momentan komme ich an meine Grenzen. Und das mit der Distanz klappt eben nicht so richtig, schon gar nicht bei meiner Frau.
Ich war damals ein guter Pfleger, heute machen mich die psychischen Veränderungen und Unfähigkeit von Zusammenleben (und das haben viele psychisch erkrankte Menschen…) richtig sauer.
Ich wäre kein guter Psychiatriepfleger geworden…

Und jetzt?
Habe ich keinen Plan und keine Antwort.
Meine Frau auch nicht.
Aber wir machen irgendwie weiter…



Ab heute kommen die musikalischen Neuheiten.
Natürlich feiere ich die neuen Platten von Feine Sahne Fischfilet und den Donots.
Beide sind wirklich ziemlich Klasse!

Dazu kommen noch zwei Singles, die Neugier auf mehr machen: Jack White knallt zwei total krasse Songs raus, Mann! Ich bin gespannt, was da noch kommt! Und die Black Eyed Peas geben ein starkes Statement zum momentanen Zustand der USA und das Lied ist jetzt schon ein Highlight des Jahres.

Das letzte Jahr war musikalisch ziemlich toll. Ich denke, 2018 kann da nachziehen…





Ach ja. Und heute beginnt ja wieder die Fußballbundesliga. Ziemlich langweilig, die zweite Liga ist da interessanter. Leider nicht für Fans des VfL Bochum, da ist einfach nur Kopfschütteln und Schämen angesagt.
Dementsprechend werde ich mich wohl wenig über Fußball äußern…



Und dann war da noch die erfolgreichen (?) Sondierungsgespräche über eine erneute GroKotz.
Die SPD war da taktisch sehr geschickt: Da keinerlei sozialdemokratischen Ziele im Sondierungsprogramm enthalten sind kann die Basis ja nur gegen Koalitionsverhandlungen stimmen, oder?
Ich denke, es kommt anders.
Und es ist mir merkwürdig egal.
Schlimmer finde ich den Trend zu immer mehr Repression, Verfolgung linker Widerstände, Vertuschung und Unterstützung rechtsradikaler Straftaten durch die Polizei und weltpolitischer Wahnsinn der bekannten Despoten.
Keep on rockin! Auch wenn wir von einer freien Welt sehr weit entfernt sind.



Ihr habt es wahrscheinlich bemerkt:
Ich halte mich bisher im neuen Jahr zurück.
Das soll so bleiben: Ich möchte mehr lesen, mehr schreiben (damit meine ich Bücher, so auf Papier und so…) und mehr leben.
Dazu gehört auch weniger Internet.
Leider haben mich gesundheitliche und private Dinge von dem „mehr tuen“ bisher abgehalten. Dafür ist das „weniger Internet“ aber ne gute Erfahrung.
Ich werde versuchen, das weiter durchzuziehen…

Weniger BlaBla, mehr Herz.
Vielleicht n bisschen Poesie.
Lasst euch überraschen. Und bleibt mir gewogen, auch wenn ich seltener auftauche…









Samstag, 6. Januar 2018

First news from the front on 2018:



Tastaturprobleme:
Buchstaben und Zeichen werden einfach geschluckt
als ob ich sie nie getippt hätte
auf dem Bildschirm erscheint ein Text
der auf Legasthenie schließen lässt
dabei ist es wirklich nur die Tastatur
IC SCHWÖRE! *

Noch gebe ich den Kampf nicht auf
vielleicht schaffe ich es ja
mich an die Tastatur und die Tastatur an mich zu gewöhnen
Momentan
zerstört dieses Teil einfach nur meinen Rhythmus
und das nervt

Nächster Versuch
mit einem USB-Kabel
hmm…
scheint zu laufen…

Bei Lyrik oder Prosa nervt das
bei Facebook wird es wohl nicht auffallen
bei Banküberweisungen oder amtlichen Schreiben
könnte eine gestörte Tastatur Katastrophen auslösen

*das fehlende „H“ als Beleg, wie es in jeder Zeile aussehen würde, wenn ich nicht sofort korrigiere…


Ansonsten ein merkwürdiger Tag
in dieser merkwürdigen ersten Jahreswoche
Meine Frau ist immer noch krank
und ich übernehme alle Hundegänge, das Duschen der Schwiegermutter
und den größten Teil des Haushaltes.
Ich gestehe: Langsam nervt es
Der Dauerregen geht mir auch auf den Piss
und da ich gestern vergessen hatte
den Wecker anzustellen
wachten wir heute erst um 12.15 Uhr auf
und der Tag war von Anfang an im Arsch

Hier werde ich immer mehr zum „Schließer Hermann“
Da die Schwiegermutter vermehrt selbstgefährdende Aktionen durchzieht
müssen wir zu ihrem Schutz alle Räume und Schränke abschließen
Ich laufe also ständig mit einem dicken Schlüsselbund durch das Haus
Es ist ähnlich
wie bei meinen Tätigkeiten in Jugendzentren und in der Psychiatrie
außer, dass ich da einen Generalschlüssel hatte
während ich jetzt mit 15 unterschiedlichen Schlüsseln zu kämpfen habe
Nicht einfach
für einen Menschen
der abgeschlossene Türen hasst
und selber niemals seine Wohnung abgeschlossen hat

Okay
Vorerst ist die Eratztastatur geschetert *
Ich nehme wieder die gereinigte alte
und werde wohl demnächst n bisschen mehr Kohle investieren

Gute Nacht

* erneuter Beleg…